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DEJA VU

27.10.2018

Gerd Dudenhöffer spielt aus 30 Jahren Heinz Becker-Programmen

Da sitzt er nun auf seinem Stuhl, so ziemlich das einzige Requisit auf der Bühne. „Déjà-vu” lautet das Thema des Abends: schon mal gesehen. Gerd Dudenhöffer schlüpft mit rotkariertem Hemd, Hosenträgern und der obligatorischen Schiebermütze, der Batschkapp, in die Rolle seiner Kunstfigur Heinz Becker, gibt Höhepunkte aus 30 Jahren und 16 Programmen wieder und ist gnadenlos aktuell. Hörbar viele Saarländer hat er mit seinem Auftritt in das kultur|o gelockt, nachdem es fünf Jahre gedauert hatte, bis es dem Kulturkreis gelungen war, den Kabarettisten für Owingen zu gewinnen.
So sparsam wie die Bühnenausstattung, so sparsam ist seine fein ausgearbeitete Choreographie von Mimik und Gestik. Mit dem Finger tippt er sich auf das linke Knie, wenn er Worte unterstreichen will. Ein Spießer berichtet selbstgerecht aus seiner engen Welt, von Alltagsgeschichten, von seinen Kameraden, dem Schindler Gregor und Maier Kurt.
Mitgefühl, Sensibilität, Takt - Fehlanzeige. Diese Eigenschaften bringt Heinz Becker nicht mit. Das entlarvt er gleich am Anfang, als er von seinem Sohn Stefan erzählt, dessen Kanarienvogel hinter den Kühlschrank geflogen war. „Stirbt er?”, fragt der Kleine ängstlich. „Damit er nicht weint, habe ich gesagt: ´Nee, der ist schon tot.`” Die Taschenlampe, mit der er nach dem Vogel leuchtet, fällt Becker hinunter: „Da war das Licht aus: also bei beiden”, schildert er ungerührt.
Eine verschmutzte Hose, in der er aussieht wie diese gesprenkelte Hunderasse, der Dallmayer, bewegt ihn mehr als der Hunger in Afrika, gegen den er auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung Jägerschnitzel isst. Apropos Afrika. Da gibt es im Ort einen Schwarzen, der den Vornamen Wolfgang trägt. „Das wäre ja so, als wenn ich Lulumba Becker hieße.” Nein, die Grenzen müssen gewahrt bleiben. Das hat auch nichts mit „Rassendeskremenierung” zu tun. Heinz ist kein Nazi, genauso wenig wie sein Nachbar, der das Hakenkreuz von seiner Garage entfernte: Sprayer hatten es falsch aufgemalt. Die politische Situation sei mehr rechts als schlecht. „Nennen Sie mir eine Nation, wo eine weiße Weste noch zur Kleiderordnung gehört.”
Harte Butter und frisches Mischbrot, das regt Heinz Becker auf. Da Butter zuviel „Kohlhestarin” hat, isst er nur deutsche Markenbutter. Flüsternd wendet er sich dem Thema „Homosexualität” zu, um dann laut zu fragen: „Wenn eine Frau einen Schwulen heiratet, ist der dann lesbisch?” Früher stand nur zur Debatte: katholisch oder evangelisch. Schlimm, dass sein Sohn einen homosexuellen Bekannten hat. „Homosexustell Dir das mal vor”, habe er zu Stefan gesagt.
Wichtiges und Unwichtiges wird in der gleichen Melodik erzählt. Fast könnte man sagen, eine stoische Lebenshaltung, wäre da nicht die pure Ich-Bezogenheit Beckers, der wie ein Pantoffeltierchen nur seinen eigenen Wassertropfen sieht, nicht aber das Meer um ihn herum. Er ist ein Egomane, dem es egal ist, ob der Nachbar querschnittgelähmt in einem Rollstuhl sitzt oder sich der Seiler Edwin mit einem Strick das Leben nimmt. Das tangiert ihn nicht. Prioritäten verwischen, nur das, was ihn berührt, ist letztendlich wichtig. Das Hemd, das er sich mit Tomatensoße verkleckert, ist ihm näher als der junge Motorradfahrer, der blutverschmiert an einem Brückenpfeiler stirbt. Zwei Ereignisse, zwei Existenzen beschreibt er hier, die sich allmählich miteinander verweben. Fast verstörend fließen in der Schilderung das Rot der Tomatensoße und das Blut des jungen Unfallopfers ineinander über.
Dramaturgisch aufgelöst wird Beckers scheinbare Gefühlslosigkeit in Gerd Dudenhöffers Zugabe. Eine Magenverstimmung zwingt Heinz, eine halbe Flasche Schnaps zu trinken. Die Körpersprache wird nun ausholend, die Zunge schwer, sein Saarländisch verschliffener, unklarer. Der Maier Kurt verschwimmt zu einem Kaier Murrt.
Plötzlich offenbart der selbstgerechte, unreflektierte Dauernörgler Sensibilität, Verletzlichkeit, die er hinter reduzierter Mimik und Gestik versteckt gehalten hatte. Der Schnaps lässt tabuierte Worte der Emotionalität nach außen dringen. Erst der Alkohol erlaubt Heinz Becker, eine empfindsame Seele zu zeigen.
Nach zwei Stunden glänzenden Kabaretts steht fest: Fünf Jahre Ausdauer haben sich gelohnt; Gerd Dudenhöffer gefiel es in Owingen. Und so versprach er: „Ich komme wieder.”
Der Kulturkreis dankt ganz besonders Andrea Benz und Daniela Mayer für die Mammutleistung der Vorbereitungen, den Nebelspaltern Owingen für die Bewirtung, Wolfgang Meyer für die tatkräftige Unterstützung sowie Klaus Stark für die Technik.

Angelika Thiel

(Bild: Klaus Schielke)

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