Gemeinderat

Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung findet statt

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Di., 30.06.2020

18:30 Uhr im Bürgerhaus kultur|o, Mühlenstraße 10, Owingen

 

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Dankesworte – und Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (45)

Peter-Berthold-Weg

Ein Peter-Berthold-Weg in Billafingen – das ist fürwahr eine gewaltige Ehrung, die mir da letzte Woche zuteil wurde, und noch dazu vom Gemeinderat Owingen und vom Ortschaftsrat Billafingen einhellig beschlossen! Außer Frage: Am liebsten wäre mir eine derart herausragende Würdigung posthum gewesen, denn – ich komme mir bei großen Ehrungen immer überbewertet vor, und eigentlich ist es ja ausreichend Belohnung, wenn sich Dinge, für die man sich mit Herzblut einsetzt, so prächtig entwickeln, wie etwa das Biotopprojekt Heinz-Sielmann-Weiher mit angrenzenden Lebensräumen und der lebendigen Wasserbüffelweide. Allerdings – einen mehrfach an mich herangetragenen Vorschlag, einen Weiher in der Region nach mir zu benennen, musste ich entschieden ablehnen – das wäre neben den Sielmann-Weihern ein Unding gewesen. Inzwischen hat jedoch mein Freund Andreas Kieling in seiner Eifel-Heimat einen Weiher nach meinem Namen eingerichtet – aber der liegt fernab. Mit dem neu geschaffenen Berthold-Weg kann ich mich vor allem unter der Vorstellung anfreunden, dass man auf ihm sozusagen wie auf meinem Rücken von meiner lieb gewonnenen Wahlheimat Billafingen zu einem meiner größten Schätze – dem Heinz-Sielmann-Weiher – pilgern kann. Und die mit der Namensgebung verbundene Ehre wird natürlich auch all meinen Mitstreitern und tapferen Weggenossen im Projekt Biotopverbund Bodensee zuteil, also den Mitgliedern der ehemaligen Lenkungsgruppe, den Honoratioren des Kuratoriums, den Damen des Stiftungsbüros in Stockach sowie zahlreichen Mitarbeitern der Sielmann-Stiftung und nicht zuletzt auch meiner Frau, die nicht nur in Haus, Hof, Wald und auf der Schafweide mitwirkt, sondern seit 2004 auch für mich im Biotopverbund und etlichen Buch- und sonstigen Projekten als Sekretärin tätig ist.
Mein ganz besonders herzlicher Dank geht schließlich an Susanne Riester (als Stellvertreterin des leider erkrankten Markus Veit), Prinz Bernhard von Baden sowie Henrik Wengert, die mich in wunderbaren Laudatien gewürdigt, wenn zum Teil auch über den Schellenkönig gelobt haben. Und tausend Dank auch allen guten Geistern, die zusammen mit gut gelaunten Gästen das festliche Treffen im Hinblick auf Geburtstag und Wegeinweihung in der Gerbe zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.
Interessantes am Rande: Wir waren bass erstaunt, dass erst bei Vorbereitung der Reden so recht klar geworden ist, dass meine Frau und ich trotz unterschiedlicher Namen tatsächlich richtig miteinander verheiratet sind – und das sogar schon seit 1993! Damit haben wir die eheliche Doppelnamigkeit wohl pionierartig in der Gemeinde etabliert. Inzwischen im Vergleich zu anderen Lebensformen schon ein alter Zopf.
In meiner kurzen Dankesrede in der Gerbe habe ich vor allem kurz beleuchtet, wie meine Familie – Berthold – überhaupt nach Billafingen gekommen ist. Als ich 1967 in der Vogelwarte Radolfzell dauerhaft Fuß fassen konnte, litt mein Vater im schwäbischen Sibirien in „Aunschtmettinge“ unter viel zu viel Schneeschippen und ständig zu schlechtem Wetter für seine geliebten Bienen. Schließlich bat er mich, nach einem kleinen Häuschen im sonnigen Bodenseeraum Ausschau zu halten. Ich schrieb viele Makler an, und nach einigen abschreckenden Angeboten in Nenzingen und Möggingen kam eines aus Billafingen – und es wurde ein Volltreffer! Sonnige schneearme Lage am Hasenbühl-Haldenweg und ein Platz für einen Bienenstand am Talrand gegenüber – für meine Eltern erfüllte sich damit ein Traum. Und ich wurde in Billafingen zum ersten Mal bodenständig, als ich mir 1974 hier ebenfalls einen Traum erfüllen konnte: den Kauf einer eigenen Streuobstwiese, die Fridolin Schrodin, da sie am Steilhang lag, nicht länger bewirtschaften wollte. Daraus wurde dann, nach der vom Landwirtschaftsamt auferlegten, nicht leicht zu bewerkstelligenden Pflicht, die gut einen halben Hektar große Fläche zweimal im Jahr von Hand zu mähen, 1975 unsere Schafweide. Sie ist mir und meiner Familie mehr und mehr ans Herz gewachsen, gibt uns – längst durch eine große ganzjährig betriebene Vogelfütteranlage sowie durch ein Hühnervölkchen bereichert – bis heute Erdverbundenheit, zeigt uns, wie man im Einklang mit viel Natur nachhaltig wirtschaften kann und hat ganz wesentlich mit dazu beigetragen, dass wir 1995 ganz ins elterliche Anwesen in unsere heutige Wahlheimat Billafingen gezogen sind. Damals konnten wir noch nicht ahnen, wie viele Freunde und herzliche Begegnungen wir im Dorf finden würden und wie wir hier das Vermächtnis Heimat in einer weitgehend aufgeschlossenen Gemeinde im heutigen Biotopverbund Bodensee mit dem Grundstein – dem Heinz-Sielmann-Weiher im Billafinger Urstromtal – würden verwirklichen können. Damit sind Lebens- und Dorfgeschichte auf wundersame Weise miteinander verschmolzen und lassen meinen Blick täglich mit großer Freude über die herrlichen Talauen schweifen.
In einer Laudatio – und zuvor auch schon in Gesprächen – wurde angemahnt, ich möge doch auch wieder mal im „Blättle“ etwas über unseren Weiher und die Natur schreiben – versprochen, und hier gleich ein Anfang.
Unserem Weiher und den umgebenden Lebensräumen geht es prächtig, und nicht von ungefähr rücken alljährlich etliche Fernsehteams an, um den inzwischen berühmten Weiher möglichst vielen Menschen vorzustellen und zur Nachahmung zu empfehlen. Die wohl nächste Sendung wird ausgestrahlt am 10. Oktober in „odysso“, SWR.
Heuer gab es am Weiher zwei herausragende Highlights: Erstens hat eine neue Vogelart – Nr. 15 - erstmals gebrütet – die Nilgans. Haben wir nichts davon bemerkt, werden wohl viele sagen, und zu Recht. Da das sehr aggressive Höckerschwan-Männchen – Brutvogel seit letztem Jahr – praktisch die ganze Brutzeit über versucht hat, die Weiherfläche gänsefrei zu halten, haben die meisten Graugänse und auch die Nilgänse ihre Gössel im nördlichen Ringgraben (zwischen Weiher und Kaisergraben) geführt und bei der inneren Flachwassermulde weiden lassen. Wieviele von den vier Nilgans-Gösseln groß geworden sind, wissen wir nicht – sie verhielten sich sehr heimlich und sind wohl über den Kaisergraben abgewandert.
Das zweite Highlight war der Fang eines Waldlaubsängers, der beringt und wieder freigelassen werden konnte. Es war der erste seit 2004! Die Art war vor ein paar Jahrzehnten noch häufig, hat auch in Buchenwaldgebieten Billafingens in etlichen Paaren gebrütet und ist nun vom Aussterben bedroht. Ebenso schlecht steht es um die verwandten Berg- und Fitislaubsänger, und lediglich dem Zilpzalp (oder Weidenlaubsänger) geht es z. Z. noch recht gut. Die Laubsänger leiden vor allem unter dem enormen Rückgang an Insekten – ein Thema, das in einem späteren Bericht näher behandelt werden soll.
Zum Schluss: Falls Sie noch ein ansprechendes Weihnachtsgeschenk suchen – zu empfehlen ist ein Vogelbildband mit einzigartig schönen Fotos vor allem von Konrad Wothe und Texten von mir: P. Berthold (2019) „Unsere einzigartige Vogelwelt. Die Vielfalt der Arten und warum sie in Gefahr ist“, Verlag Frederking & Thaler.

Peter Berthold

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