Geschichte

Owingen ist eines der ältesten Dörfer des Linzgaus. Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Ort 983 in einer Schenkungsurkunde der Petershausener Klosterchronik. Knapp zweihundert Jahre später, 1191, taucht der Name „Pfaffenhofen” auf, eine Siedlung, die sich ursprünglich aus einer Eigenkirche entwickelte. Beide Orte wuchsen zum heutigen Owingen zusammen. Flur- und Straßennamen wie Rebhalde, Im Weingärtle, Im Hopfengarten, Im Pfaffenacker, Buchhalde, Eichbühl, Kohlerbreite, Mühlenweg oder Henkerberg vermitteln einen Einblick in die lebendig gebliebene Geschichte, die sich bei einem Spaziergang in all ihren Facetten zeigt.  

Geprägt ist die Landschaft zwar von der Eiszeit; doch diese Zeiten sind längst vorbei. Heute strahlt Owingen Herzlichkeit und Wärme aus. In Owingen versteht man zu leben. Geselligkeit wird großgeschrieben in den über 40 Vereinen. Das Dorf gibt Raum für die Begegnung auf der Straße, für das Gespräch vor dem Kirchplatz, für einen Schwatz auf dem Markt, für ein Lächeln auf dem Weg. All das verquickt sich zu einer l(i)ebenswerten Gemeinde, in der das Wissen um ein gutes Leben allgegenwärtig ist. Hierzu passt die ausgezeichnete Küche der Gasthäuser in Owingen und seinen Teilorten. Es überrascht nicht, dass Owingen attraktiv ist für Neubürger, besonders für Familien. Seit Beginn der 1960er Jahre hat sich die Einwohnerzahl auf rund 3000 verdreifacht. Mit den Ortsteilen erhöht sich diese Zahl auf 4300.  

Wer sich westwärts wendet, gelangt nach Billafingen, dem größten Teilort Owingens. Billafingen - erstmals 970 in der Petershausener Chronik erwähnt - besticht durch seine Anmut und Schönheit und hat dadurch schon viele Preise gewonnen. Schmelzwasser der letzten Eiszeit formten das Billafinger Tal, auf das die sanft ansteigenden Hügel rechts und links davon einen grandiosen Ausblick bieten. Wie mag es hier wohl früher ausgesehen haben? Unweigerlich entstehen vor dem geistigen Auge Szenen mit urweltlichen Tieren und Pflanzen. In diesem Tal, das sich von Seelfingen nach Owingen zieht, wurden vor langer Zeit die feuchten Wiesen des Urstromtals durch Drainagen für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. In jenem Abschnitt, in dem Äcker nicht mehr genutzt werden konnten, legte Billafingen 2005 in Zusammenarbeit mit der „Heinz-Sielmann-Stiftung“ den nach dem berühmten Tierfilmer benannten „Sielmann-Weiher“ an. Es ist idyllisch; und alle Sinne werden angesprochen in diesem Paradies, in dem der gehetzte Mensch eine Auszeit nehmen kann.  

Nordöstlich von Owingen liegt auf über 600 Meter Höhe Taisersdorf. Hier ist der Owinger Logenplatz mit Sicht auf die Alpen. Besonders ins Auge fallen der Säntis und die charakteristischen Churfirsten. Manch einer hat sein Herz an dieses Panorama auf immer verloren. Gletscher der letzten Eiszeit formten die Grundmoräne auf dem Bergrücken, der sich in einem leichten Bogen nach Süden spannt. Um die Moräne sammelte sich in der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren das Schmelzwasser der Gletscher in einer Rinne. Heute windet sich in dem tief gekerbten Tal die Aach. Der Wanderer trifft auf dem Weg zur Schlucht Pferde, die es sich auf blühenden Streuobstwiesen gut gehen lassen, Schafe, deren Wollweiß zwischen rapsgelben Feldern durchschimmert, weidende Kühe, deren Anblick manch einen vielleicht noch an vergangene Zeiten erinnert, in denen das Vieh morgens und abends mit einem „Hüh” und „Brr” durchs Dorf in die Ställe zurückgetrieben wurde. Der berühmteste „Tourist” von Owingen war wohl Kaiser Friedrich Barbarossa. Als er mit seinem Tross in der Gegend weilte, bestätigte er in einer Urkunde Taisersdorf, „Dagedarstorf”, mitsamt einer Kapelle. Das war anno domini 1155. Nachdem die Markus-Kapelle im 17. Jahrhundert zum zweiten Mal einem Feuer zum Opfer gefallen war, wurde sie 1674 neu erbaut. Das „Käpelle” wird gerne von Jakobspilgern besucht; denn es befindet sich an einer der Routen, die nach Santiago de Compostela führen. Fast 2 500 Kilometer liegt diese nordspanische Stadt für Pilger von Taisersdorf entfernt. Heute ist der Ort in aller Munde wegen seiner Ringer. Magnet zur Osterzeit ist der Dorfbrunnen, der dann mit weit über 1 000 handbemalten Hühnereier geschmückt wird und Besucher von nah und fern anzieht.  

Vielleicht hat der berühmte Staufer Barbarossa auch seinen Reichsministerialen im heutigen Hohenbodman einen Besuch abgestattet. Denn längst hatten die Herren von Bodman dort oberhalb des wilden Aachtobels eine Burg errichtet. Eine wechselhafte, leidvolle Vergangenheit zeichnet die Geschichte der Festung aus. Immer wieder musste sie sich an neue Besitzer gewöhnen, nachdem nicht zuletzt die häufigen  Auseinandersetzungen mit dem Zisterzienserkloster Salem dazu geführt hatten, dass die Herren von Bodman die Burg 1282 aufgaben und sich auf ihre Kaiserpfalz auf dem Bodanrück, gegenüber von Ludwigshafen, zurückzogen. Diese Kaiserpfalz „Bodman” soll übrigens dem Bodensee den Namen gegeben haben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Festung in Hohenbodman zerstört. Heute steht nur noch der Turm. Von hier oben aus können sich die Besucher mit einem kilometerweiten Blick die geologische Vergangenheit des Bodenseeraums vergegenwärtigen. Nicht nur der Turm hat den Anfeindungen der Geschichte Widerstand leisten können. In Hohenbodman steht mit fast 1000 Jahren eine der ältesten Linden Deutschlands, die – vielleicht von den Herren von Hohenbodman einst in des Dorfes Mitte gepflanzt - über das Gewesene viel erzählen könnte. 1325 wurde Hohenbodman selbst zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ein Schmankerl im Dezember: der kleine, aber feine Nikolausmarkt. Ein Duft nach frischgebackenem Brot liegt dann in der Luft, Glühwein lockt zu den Ständen, fleißige Hände offerieren Marmelade oder selbstgepresste Öle. Sogar der Nikolaus höchstpersönlich kann einer Stippvisite nicht entsagen.  

Owingen im Wandel der Zeiten. Der Sielmann-Weiher von Billafingen bildet einen Brückenschlag zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Er sensibilisiert den Besucher für das Gestern, dem wir das Heute verdanken. So, wie die Linde von Hohenbodman die Wurzeln verkörpert, die weit in das Mittelalter zurückreichen und die Vergangenheit der Raumschaft greifbar werden lässt. Symbol der Fruchtbarkeit, standhaft durch Jahrhunderte, trotzend allen Widrigkeiten. Eine Wurzel, eine Heimat zu haben, vermittelt Sicherheit, bedeutet Identität. Und auch der Zukunft reicht Owingen die Hand. Zum einen durch die Schulpolitik. Bildung ist der Gemeinde ein großes Anliegen; denn sie ist die Investition in die Zukunft. Eine aktive Schule, die darüber hinaus ihre Schüler unter dem Motto „Cool drauf und mittendrin” in Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft unterstützt, indem sie Bürgern Entlastungen im Alltag anbietet.  

Owingen auf wenige Worte zu reduzieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und so kann die Empfehlung nur lauten: „Kommen und staunen. Kommen und genießen.” 
© Dr. Angelika Thiel

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